Hutmachers Einsamkeit (2008)

Hutmachers Einsamkeit (2008)

Beitragvon Crimson » 1. Sep 2010, 00:16

Der folgende Text enstand, nachdem ich mich durch mein Studium der Kinder- und Jugendliteratur eingehender mit Lewis Carrolls "Alices Abenteuer im Wunderland" beschäftigen musste. In diesem tauchen sämtliche Figuren als sehr statische Wesen auf, die für genau eine Rolle zu funktionieren haben und meistens mit einer Hauptcharakteristika aufwarten - so gut wie immer auf irgendeine Art des Wahnsinns abzielend. Ich stellte mir also die Frage, was passieren würde, wenn diese Figuren über einen längeren Zeitraum beobachtet werden würden. Würden sie sich verändern? Oder würden sie für ewig in ihrer festgelegten Rolle bleiben? Und wenn ja, was wären ihre Empfindungen dabei?

Das Ergebnis dieses Gedankenspiels findet sich hier:



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Re: Hutmachers Einsamkeit

Beitragvon Jacob Nomus » 1. Sep 2010, 08:46

Immerhin soll hoher Teeverzehr Gehirnschlag vorbeugen.

Was wäre, wenn es im Leben nach dem Tod ewiglich Tee gäbe? Ist endloser Wahnsinn des Menschen Schicksal, sein Dasein auf Erden Vorbereitung zeitlosen Leidens? Wird er sich doch bei jedem Schluck Tee an den Geschmack von Kaffee erinnern. Also ab sofort alle nur noch Tee trinken; die Gewohnheit wird unsere Qualen im Jenseits lindern helfen. :)

Wenn ich mir Crimsons Geschichte als Bühnenstück vorstelle, sind die einzelnen Szenen doch recht kurz, vor allem die zweite. Die Aufteilung hingegen finde ich dramaturgisch gelungen, die Protagonisten - Hutmacher und Cheshire-Katze ausgeschlossen - geistig und bzgl. ihres Verhaltens herrlich steif. Inhaltlich gibt es jede Menge Passagen, an die der Leser seine Gedanken anknüpfen kann, sei es das Verharren im ewig Gleichen oder dem Verblassen scheinbar Wahrem. Ist es eine Traumwelt oder sind die Protagonisten verrückt? Ein interessanter Blickwinkel, bei dem das Ergebnis der alternativen Überlegungen nicht weit auseinander zu liegen scheinen.

Bzgl. der Umsetzung finden sich wenige Fehler. Hinweisen möchte ich auf den Märhasen und die Tatsache, dass wenn der Märzhase und der Hutmacher der immer wieder verschwindenden Cheshire-Katze hinterher laufen, die Rennenden zwei sind, nicht drei.

Insgesamt finde ich den Text sehr gelungen. :)

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Re: Hutmachers Einsamkeit

Beitragvon börnie » 1. Sep 2010, 10:05

Der Text kam mir zu Beginn etwas spröde vor und hat mich nicht gleich reingezogen, beim Weiterlesen merkte ich aber, dass genau dieses Spröde sehr gut passt um zum Einen die Situation deiner Protags zu beschreiben und zum Anderen eine Distanz für den Leser zu schaffen. So als ob man die Szene von weit weg beobachten würde.

Die Ausweglosigkeit und das vergebliche Aufbegehren hast du sehr gut rübergebracht, genauso wie die Pathologie der ewig sich wiederholenden, fixierten Gedankenkreisläufe. Genauso, zumindest als Teilaspekt, wird ja tatsächlich in der Psychiatrie "Verrücktheit" definiert.

Da Alice im Wunderland für sich so ein starkes und unnachahmliches Werk ist, finde ich, du hättest ruhig noch weiter vom Original weggehen können. Dann wäre in dem Text zwar weniger Lewis Carroll, aber mehr Dennis zu sehen gewesen.

Dennoch sehe deinen Hutmacher alles in allem als durchwegs interessantes und gelungenes (T)ex(t)periment.

Liebe Grüße, Börnie
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Re: Hutmachers Einsamkeit

Beitragvon Heffalump » 6. Sep 2010, 09:28

Es tut mir wirklich leid: Dieser Text sagt mir nichts. Auch die neuerliche Lektüre des Originals hat mir da nicht weitergeholfen. (Wobei ich es grundsätzlich schon etwas misslich finde, das Original kennen zu müssen, weil man sonst als Leser mit der Situation und den sehr speziellen Figuren überhaupt nichts anfangen kann.)

So werde ich mich bei Scriptathlon wohl generell einer Teilnahme an der Bewertung enthalten müssen, weil ich diesen Text beim besten Willen nicht bewerten kann.
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Re: Hutmachers Einsamkeit

Beitragvon Crimson » 7. Sep 2010, 01:19

Ich denke, an der Bewertung kannst du durchaus teilnehmen. Die 0-Punkte Kategorie ist doch mit "Nicht mein Fall" beschrieben und das trifft hier dann doch zu. Ich fänds schade, dadurch komplett einen Bewerter zu verlieren. Und ich erinnere mich, dass wir den Verein hier auch gegründet haben, um uns nicht immer rechtfertigen zu müssen, wenn uns etwas mal nicht gefällt. Zumindest habe ich das weiterhin so vor. :)

Zu der Kritik allgemein: Natürlich, dieser Text verweist sehr stark auf einen anderen Text, vor allem in dem Sinn, dass ich die Figuren komplett übernommen habe. Deshalb ist ja auch Hervorgehoben, dass es sich hierbei um eine Bearbeitung handelt, die aus der Lektüre eines anderen Stücks heraus entstand. Ich hätte es falsch gefunden, dafür dann noch einmal die Charaktere zu erklären oder sie gar anders zu gestalten. Dafür ist dieser Text nicht gedacht. Er soll in diesem Sinne auch nicht als eigenständiger Text fungieren, auch wenn mir klar ist, dass er dadurch nur für einen engeren Kreis von Lesern überhaupt verständlich ist, nämlich denen, die Carrolls Alice kennen. Aber dafür ist das eben auch nur eine kleine Spielerei, die diesmal den Weg ins Schreibspiel vor allem deshalb fand, weil ich den Text, an dem ich gerade schreibe, nicht fertig bekommen hätte.

//Edit: 0 ist mit "nicht gut" beschrieben. Aber um ehrlich zu sein, das geht auch, denn es ist ja deine subjektive Meinung. Kein Grund, nicht abzustimmen.
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Re: Hutmachers Einsamkeit (2008)

Beitragvon Crimson » 12. Sep 2010, 01:17

Der Text wurde auf Issuu nun noch einmal in ausreichender Schriftgröße hochgeladen, außerdem habe ich die von Jacob gefunden Fehler korrigiert. Danke fürs aufspüren. :)
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Re: Hutmachers Einsamkeit (2008)

Beitragvon Lies » 12. Sep 2010, 22:45

Und ich erinnere mich, dass wir den Verein hier auch gegründet haben, um uns nicht immer rechtfertigen zu müssen, wenn uns etwas mal nicht gefällt. Zumindest habe ich das weiterhin so vor. :)
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Ich auch und deshalb halte ich es auch weiterhin so was Kommentare betrifft, ich sage nichts zu Texten, die nicht mein Bier sind, das habe ich schon bei BX so gemacht und fällt nicht weiter auf, denn zuweilen kommentiert man ja sowieso nicht alles.
Als Wortspielbeitrag muss man aber abstimmen und das ebenfalls nach Gefallen, da reichte ja dann die Punkteabgabe.

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Re: Hutmachers Einsamkeit (2008)

Beitragvon Tinka » 17. Sep 2010, 16:22

Ich finde den Text großartig. Mal ist er vollständig Alice, die Figuren stimmen genau. Dann plötzlich zersplittert das Bild, die Welt von Alice - die Momente, in denen sich der Hutmacher seines Wahnsinns bewusst wird, wenn der Hase Angste bekommt, wenn Bill begreift, dass etwas nicht stimmt.

Der Text passt unglaublig gut, und gleichzeitig stimmt er überhaupt nicht. Das ist genau das Wesen dieser unmöglichen Situation.

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