Sachliche Performance

Hier bitte eure Lyrik rein

Sachliche Performance

Beitragvon wapitext » 10. Apr 2013, 15:32


SACHLICHE PERFORMANCE


Als sie fußgängerzonig den Karstadt fanden
(von dem Fußweg hatten sie den Bauch voller Wut),
kam ihnen etwas Inventar abhanden.
Sie verlor viele Worte, er seinen Hut.
Sie waren pampig, ein Sauladen dies sei,
Hilde schrie laut: „Erbärmliche Schweinerei!“
Die Leut sahn sie an. Und gingen rasch weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.
Im Schaufenster sah man Banales blinken.
Er sagte: „Ich brauche ein Bier,
Du kannst derweil irgendwo Kaffe trinken.“
Bei der Heilsarmee schwieg ein Klavier.
Sie gingen im Bistro vom Karstadt an Bord.
Im Secco am Büffet klapperten Tassen.
Sie plapperte ununterbrochen. Er sprach kein Wort.
Man kann solchen Quatsch einfach nicht fassen.

(nach Erich Kästner)
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon börnie » 12. Apr 2013, 11:34

Gefällt mir gut. (Vor allem der letzte Satz. Darf ich mir den für die Kommentierung der nächsten Scriptathlonbeiträge ausborgen? :mrgreen: )
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon wapitext » 12. Apr 2013, 14:59

Liebe börnie,

welche Frage: "(Vor allem der letzte Satz. Darf ich mir den für die Kommentierung der nächsten Scriptathlonbeiträge ausborgen?)" Selbstverständlich darfst Du das, auch als Kommentar zu meinen Beiträgen.

Mit Grinsen
wapi
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon Heffalump » 12. Apr 2013, 15:06

Nein, "nach Erich Kästner" ist das leider gar nicht. Es ist nicht sein Geist, nicht seine Sprache, nicht sein Stil, nicht sein Ton - und ausgerechnet ein Gedicht wie die "Sachliche Romanze" als Vorlage für diese (nun ja) Satire zu benutzen, halte ich für einen groben Missgriff. Es gibt doch genügend satirische Texte von ihm, die sich weit eher dafür eignen würden. So ist es eine Verballhornung, die Kästner und ganz besonders die "Sachliche Romanze" nicht verdient haben.

Ich bitte, diese Schärfe auf keinen Fall persönlich zu nehmen. Kästner gehört zu denen, die ich als Lehrer und Vorbilder ansehe, insofern bin ich da empfindlich. Gewiss ist es völlig richtig, sich an vorbildlichen Lehrern zu orientieren, auch durch Nachahmung von ihnen zu lernen, um schließlich auf solcher Grundlage zu seinem eigenen Stil zu finden (ich habe viele Gedichte und Songs geschrieben, denen zumindest ich selbst den Einfluss von Kästner deutlich anmerke). Nur halte ich hier in diesem Fall den Versuch für bedauerlicherweise völlig missglückt.
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon wapitext » 12. Apr 2013, 20:33

Lieber Heffalump,

weshalb kommt Deine Meinung so apodiktisch daher? "... ist das leider gar nicht. Es ist nicht sein Geist, nicht seine Sprache, nicht ..." Bei mir kommt diese Sprache als oberlehrerhafter Rüffel daher. Die Sprache der Kritik sollte doch sein: "... ich meine ..." und "... ich finde ...". Zudem fehlt mir "... weil ...", eine Begründung für Dein Urteil. So wird für mich Kritik zur heißen Luft, die in den Wind geblasen wird. Mir fehlt eine Basis für eine sachlich-fachliche Diskussion.
Danke, dass Du mich nicht als Person treffen wolltest. So bleibt die Tür für ein (streitiges)Gespräch über andere Beiträge in der Zukunft offen.

Freundliche Grüße
wapi
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon gnies.retniw » 13. Apr 2013, 00:43

Kästner ist einer meiner Lieblingslyriker. Seine Gedichte waren, neben Tucholsky und Brecht, die erste Lyrik, die ich mit Begeisterung las. Die "Sachliche Romanze" kannte ich bisher noch nicht; habe ich jetzt nachgeholt.

Für mich ist die "Sachliche Romanze" von *wapitext* keine Verunglimpfung Kästners oder eine Kopie seines Stils. Auch halte ich es nicht für einen Missgriff, für einen groben schon gar nicht ... Da ich die hier vorliegende "Sachliche Romanze" VOR der Kästners las, hatte ich die Möglichkeit, den vorliegenden Text unbeeindruckt auf mich wirken zu lassen.

Aus meiner Sicht wird hier in wenigen Zeilen das Dilemma einer (bis zur Unerträglichkeit) eingefahrenen Beziehung seziert. Diese in dieser Beziehung lebenden Menschen brauchen das Außen, hier: Karstadt, um das Gefühl des Lebendig-Sein haben zu können.

Auch ist der Text für mich eine grandiose Konsum-Verhalten-Kritik. Und so gesehen wohl eh ein anderes Thema als bei Kästner?

Und behaupte: Ja, "nach Erich Kästner" ist es; nämlich der *Titel des Programms* ... ;)

Lieben Gruß von Signe
"Die Sonne der Kultur steht niedrig. Wen wundert's, dass Zwerge lange Schatten werfen"
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Inspiration vs. Kopie

Beitragvon gnies.retniw » 13. Apr 2013, 01:11

Heffalump hat geschrieben:Es ist nicht sein Geist, nicht seine Sprache, nicht sein Stil, nicht sein Ton - und ausgerechnet ein Gedicht wie die "Sachliche Romanze" als Vorlage für diese (nun ja) Satire zu benutzen, halte ich für einen groben Missgriff. Es gibt doch genügend satirische Texte von ihm, die sich weit eher dafür eignen würden.


Nun bin ich ja der Meinung, dass man sich als Autor in jeder Hinsicht inspirieren lassen darf. Eine satirische Vorlage eines bekannten Künstlers zu nehmen, um daraus eine (eigene) Satire zu schreiben? Heißt das nicht den Teufel mit dem Beelzebub ... ?!

Die Inspiration verläuft, aus meiner Sicht, auf einer anderen Ebene. Beispiel: Phil Humor "schnappt" sich den klassischen Stoff des Fliegenden Holländers und macht daraus einen Krimi. DAS ist eigener Stil, wie ich finde. *wapitext* "schnappt" sich die "Sachliche Romanze", um seine eigenen Gedanken fließen zu lassen ... Und etwas Eigenes, Neues entsteht! (Wäre sonst ja wie auf BX bei den sogenannten Autorinnen, die die X-te Variante von Twightlight präsentieren. Nur die Namen und Orte sind ausgetauscht. Da besteht die Leistung oftmals darin, dass diese Autoren sich zumindest mal darin üben, zu SCHREIBEN, nämlich, wenn's einigermaßen gut läuft, ganze Sätze ... Darum geht es hier jedoch nicht!)

Um zu verdeutlichen, was ich meine: 2012 schrieb ich als Adaption zu Kästners "Kennst du das Land, wo die Kanonen blüh'n" bezüglich der Zustände auf BX folgendes Gedicht:

Kennst du das Land? – Adaption zu Goethe/Kästner

Kennst du das Land, wo die Bücher blüh’n?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort steh’n die Admins stolz und kühn
In den Foren, als wären es Kasernen.

Dort drückt man unter Vorwand auf Knöpfe.
Und unsichtbare Nachricht erreicht dich dort.
Avatare hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer muckt, ist auch schon fort!

Kennst du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen!
Dort gibt es Bücher, Autoren, Leser, leider auch Schleim,
aber auch Fleiß und Kraft und andere schöne Sachen.

Dort reift die Inspiration nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch kreiert – es werden stets Foren-Kasernen.
Kennst du das Land, wo du Bücher blüh’n?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!

Dieser Text von mir ist, gelinge gesagt, im Grunde eine Kopie des Original-Textes, in dem Worte lediglich ausgetauscht wurden. Um es auf den Punkt zu bringen: Mein Text ist keine wahnsinnig große intellektuelle Leistung, auch wenn ich in Sprache, Stil und Ton sehr wohl das Original getroffen habe. Anders beim vorliegenden Text von *wapitext* Hier wird das vorhandene Sujet verfremdet und etwas völlig Neues, auch in der Aussage, entsteht.

Das jedenfalls meint Signe
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon Heffalump » 13. Apr 2013, 04:04

Lieber Wapi,

da sind wir uns nun gar nicht einig. Die Sprache der Kritik soll vor allem aufrichtig sein. Und das kann dazu führen, dass sie in manchen Fällen eben auch mal apodiktisch rüberkommt. Wenn ein Text missglückt, ist das ja keine Schande, das passiert jedem mal. Aber man muss es dann auch sagen dürfen und sich nicht hinter "ich meine..." und "ich finde..." verstecken. Wenn ein Text besonders gelungen ist, kann ich mich dazu genauso apodiktisch äußern. Diese Offenheit ist für mich einfach ein Ausdruck von Respekt gegenüber dem Autor und ein Zeichen, dass ich ihn ernst nehme. Jemanden in Watte zu packen heißt, ihn wie ein kleines Kind zu behandeln - ich kann mir nicht vorstellen, dass Du das möchtest.
Eine Kritik ist ja nicht eine bloße Meinungsäußerung - dann wäre sie keine Kritik. Kritik hat, nach bestem Vermögen des Rezensenten, Beurteilung zu sein. Und die Verarbeitung eines Kästnergedichts beurteilen zu können nehme ich durchaus für mich in Anspruch.

Um vielleicht noch etwas deutlicher zu machen (auch für andere, die hier mitlesen), warum ich die Wahl gerade dieses Gedichts in diesem Fall als Missgriff ansehe, stelle ich das Original und Deine Version hier einmal gegenüber:

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.


SACHLICHE PERFORMANCE

Als sie fußgängerzonig den Karstadt fanden
(von dem Fußweg hatten sie den Bauch voller Wut),
kam ihnen etwas Inventar abhanden.
Sie verlor viele Worte, er seinen Hut.
Sie waren pampig, ein Sauladen dies sei,
Hilde schrie laut: „Erbärmliche Schweinerei!“
Die Leut sahn sie an. Und gingen rasch weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.
Im Schaufenster sah man Banales blinken.
Er sagte: „Ich brauche ein Bier,
Du kannst derweil irgendwo Kaffe trinken.“
Bei der Heilsarmee schwieg ein Klavier.
Sie gingen im Bistro vom Karstadt an Bord.
Im Secco am Büffet klapperten Tassen.
Sie plapperte ununterbrochen. Er sprach kein Wort.
Man kann solchen Quatsch einfach nicht fassen.

Ich denke, es ist klar genug zu sehen, dass der Text sich mittels einiger recht grober, oberflächlicher Äußerlichkeiten an eine Vorlage klammert, mit der er ansonsten nichts gemein hat und von der er leider auch qualitativ um Lichtjahre entfernt ist. Besser wäre es da schon, ein wirklich eigenes Gedicht zu schreiben.
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Re: Inspiration vs. Kopie

Beitragvon Heffalump » 13. Apr 2013, 05:50

gnies.retniw hat geschrieben: Nun bin ich ja der Meinung, dass man sich als Autor in jeder Hinsicht inspirieren lassen darf.

Ich auch. Das habe ich oben ja geschrieben.

gnies.retniw hat geschrieben:Eine satirische Vorlage eines bekannten Künstlers zu nehmen, um daraus eine (eigene) Satire zu schreiben? Heißt das nicht den Teufel mit dem Beelzebub ... ?!

Hier verstehe ich ehrlich gesagt nicht, was Du damit sagen willst.

gnies.retniw hat geschrieben:Phil Humor "schnappt" sich den klassischen Stoff des Fliegenden Holländers und macht daraus einen Krimi. DAS ist eigener Stil, wie ich finde. *wapitext* "schnappt" sich die "Sachliche Romanze", um seine eigenen Gedanken fließen zu lassen ...

Du machst ja selbst den Unterschied schon deutlich: Phil Humor (dessen Text ich nicht kenne) benutzt den Stoff, um etwas Eigenes daraus zu machen. Wapi tut das Gegenteil: Er benutzt (wenn auch recht nachlässig) die Form und vereinzelt die Wortwahl von Kästner. Nun liegt es im Wesen der Form (deshalb heißt sie so), dass durch sie der Stoff geformt und gestaltet wird, was maßgebend für den Eindruck, für die Wirkung ist, die ein Werk hervorruft, auch für die Stimmung, die es erzeugt. In der Hinsicht besteht nun keinerlei Beziehung zwischen den beiden Texten, noch nicht einmal die eines klaren, gezielten Kontrastes (denn nur dadurch, dass es "irgendwie anders" ist, entsteht noch kein Kontrast). Deshalb, und auch wegen des nachlässigen Umgangs mit der Form (der Rhythmus ist im Unterschied zur Vorlage von völliger Beliebigkeit, in Zeile 5-8 stimmt das Reimschema nicht), halte ich diese Anlehnung für einen Missgriff.

Bei Deinem Text sieht es ein wenig anders aus. Er folgt in seiner inhaltlichen Intention dem Original, insofern ist diese Wahl der Vorlage kein Missgriff - in der Beziehung passt es also. Allerdings zeigt sich auch hier: Wer sich formal an ein fremdes Werk anlehnt und es nachahmt, riskiert, dass das eigene Produkt viel schlechter ist als das Original und dass man dies durch den unmittelbaren Vergleich auch deutlich sieht.

Kästner zitiert im ersten Vers Goethe und ersetzt nur "Zitronen" durch "Kanonen". Das ist gut, weil durch den Gleichklang das Zitat kenntlich bleibt und das Versmaß gewahrt wird.
Du ersetzt das Wort nun durch "Bücher". Das klingt erstens völlig anders (der Zitatcharakter geht damit verloren), und es ist zwei- statt dreisilbig und ruiniert dadurch den Rhythmus des Verses. Das ist nicht gut. Das gleiche bei "Admins" (zweisilbig) statt "Prokuristen" (viersilbig). "Büros" (Betonung auf der zweiten Silbe) wird durch "Foren" (Betonung auf der ersten Silbe) ersetzt.
Und das zieht sich durch das ganze Gedicht. Die Reime stimmen zwar - aber auch nur diese. Ein Versmaß ist gar nicht vorhanden, rhythmisch holpert und stolpert es vor sich hin - das ist (wie gesagt) nicht gut.

Jeder darf sich jeder Form bedienen, die ihm beliebt. Aber jeder muss sich dann auch an den Ansprüchen messen lassen, die diese Form an ihn stellt, und daran, wieweit er diesen Ansprüchen gerecht wird.

Es ist immer gut, das zu schreiben, was man kann. Es ist auch gut, sich gelegentlich an dem zu versuchen, was man (noch) nicht kann - dabei lässt sich lernen. Aber wenn es misslingt, ist es natürlich nicht gut, für das Ergebnis trotzdem Lob zu erwarten (dies auch in Erinnerung an BookRix seligen Angedenkens gesagt).
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon Jacob Nomus » 13. Apr 2013, 08:27

"Irgendwo im Norden, in 'ner winzigen Stadt, trafen sie sich wieder, an 'nem grauen Nachmittag in 'nem leeren Strandcafé, und versuchten zu verstehen, wo die ganzen Pläne waren, die gemeinsamen Ideen. Und sie saßen sprachlos staunend, sie rührten im Kaffee. Sie schaute an die Decke und er auf die See. Doch es war vorbei. Sie konnte es nicht fassen - weinte, denn es war vorbei. Sie guckten in die Tassen - schweigend, denn es war vorbei. Sie konnte es nicht fassen - weinte. Doch es war vorbei. Keiner wollt' es glauben. Sie saßen da - so wie wir zwei. Auch der Kellner schien zu warten. Und er schaute auf die Uhr, und sie zahlten und sie gingen. Von Erleichterung keine Spur. Sie sprachen nicht von Liebe. Sie sprachen nicht von Schuld. Hatten auf die Zeit gesetzt mit viel zu viel Geduld. Doch es war vorbei. Sie konnte es nicht fassen - weinte denn es war vorbei. Sie guckten in die Tassen - schweigend denn es war vorbei. Sie konnte es nicht fassen - weinte. Doch es war vorbei. Keiner wollt' es glauben. Sie saßen da - so wie wir zwei. All die Jahre sind vergangen und was haben wir mitgekriegt? Vielleicht nie genug geredet. Grad, bis einer unterliegt. Und wir machen große Augen. Oh, wir wundern uns nur stumm. Hat's denn keiner hier bemerkt von allen um uns rum. Es ist vorbei. Tränen nützen wenig. Heut weißt Du - es ist vorbei. Einfach so - ich hab es selber nicht gemerkt. Vorbei. Jetzt hätt ich Zeit für uns. Doch jetzt ist unsere Zeit - vorbei. Gib mir Deine Hand. Ich bring Dich noch zu Haus - vorbei."

Purple Schulz - Vorbei

www.youtube.com Video From : www.youtube.com



Das Abhandenkommen einer Liebe, die weinende Frau, der Blick auf die See, auf die Uhr, das Rühren in den Tassen, in einem schuldlos langsam an Temperatur abnehmenden Getränk, schweigend, fassungslos. Purples Inspiration zu diesem Lied darf wohl bei Erich Kästner zu suchen sein. :)

Ich finde Wapis Text insofern interessant, als dass er Elemente benutzt, die im harschen Kontrast zu Kästners stehen - das Getöse der Innenstadt, das Klappern des Geschirrs, das Plappern des Gegenübers - , und doch ein ähnliches Bild zeichnen, eben den Verlust der Verliebtheit. Auch dem letzten Satz, der die Erkenntnis von dem Paar auf den Betrachter verlagert, kann ich etwas abgewinnen. Stille ist der Selbsterkenntnis eben zuträglich.

Sprachlich hingegen trennen die Texte Welten. Wapis Text mag unterhalten, Kästners hingegen berührt. Zumindest mich. :)

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