Sachliche Performance

Hier bitte eure Lyrik rein

Re: Sachliche Performance

Beitragvon Jacob Nomus » 14. Apr 2013, 08:40

Mir ist es gleich, ob eine Kritik dem Bauch oder dem Hypothalamus entspringt, nur nachvollziehbar muss sie sein. Wie sonst sollte sie dazu beitragen, den Text zu verbessern?

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Re: Sachliche Performance

Beitragvon Heffalump » 14. Apr 2013, 12:44

@Signe:
Wenn bei BX Deinen Text niemand gelesen hat, ist das schade, aber es wird nicht von vornherein Dein Wunsch gewesen sein, sonst hättest Du ihn doch sicher nicht eingestellt.
Aber gut, ich relativiere meine Aussage ein wenig: Bei Scriprtanova (und sicher auch etlichen anderen Textforen) ist es nicht möglich, bei BX schon, wenn man einen gewissen Aufwand treibt, indem man (nach meinem Wissensstand von vor ca. 2-3 Jahren) ein Buch nur für Freunde sichtbar macht (auch das ist dann ein Zielpublikum), diese darauf einschwört, sich nicht dazu zu äußern und jeden von der Freundesliste schmeißt, der sich nicht daran hält - oder (falls das möglich ist, es ändert sich ja immer wieder einiges) indem man die Kommentarfunktion abschaltet.

@Jacob:
Der eigentliche Sinn einer Kritik ist es doch nicht, einen Text zu verbessern. Sie beurteilt und bewertet ihn und ist auch dann Kritik, wenn sie feststellt, dass der Text hervorragend ist. Ziel einer Kritik ist Erkenntnis - bei ihren Lesern, vielleicht sogar beim Autor und nicht zuletzt beim Kritiker selbst (denn das Verfertigen einer Kritik ist ja ein gedanklicher Prozess in der Auseinandersetzung mit dem Text). Sie kann im allerbesten Fall dazu beitragen, einen Autor zu verbessern, was sich dann womöglich auf seine nächsten Texte auswirkt.
Möglich ist aber auch, dass der Autor durch gründliche Auseinandersetzung mit einer Kritik zu dem Ergebnis kommt: Ich halte meinen Text, im Unterschied zum Kritiker, nach wie vor für gut und richtig, so wie er ist - aber ich weiß jetzt viel besser und genauer, warum.
Auch dann ist eine Kritik gut und hilfreich, erfüllt ihren Zweck und kann den Autor weiterbringen.
Ein Autor, der eine Kritik nicht persönlich nimmt, sondern sich klar macht, dass der Kritiker Gründe für seine Bewertung hat, die im Text liegen, nicht in der Person des Autors oder in seiner eigenen, wird von einer Kritik immer etwas haben, auch dann, wenn er sie letztlich nicht annimmt.
In jedem Fall sollte ein Kritiker sich als Kritiker verstehen und nicht als Oberlehrer (und sich in seinem Selbstverständnis auch dann nicht beirren lassen, wenn er von einem gekränkten Autor angesichts einer ungünstigen Bewertung als "Oberlehrer" beschimpft wird).
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon Jacob Nomus » 14. Apr 2013, 13:17

@ Heffalump - Deinen Ausführungen stimme ich vollkommen zu, jedem Satz.

Im Zusammenhang mit den vorangegangenen Postings wollte ich nur auf die Nachvollziehbarkeit der Argumentation hinweisen, welche die Kritik für den Autor wertvoll werden lässt, unabhängig davon, ob die Kritik positiv oder negativ ist oder sich auf eine Veränderung des Textes auswirkt oder nicht.

Viele Grüße ins Bergische,
Jacob
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon wapitext » 14. Apr 2013, 14:26

Signe schrieb: "Deinem ersten Satz "Denn: "Schreiben, nur weil es Spaß macht, ohne irgendetwas davon an ein "Zielpublikum" zu richten" - das ist auf einer Autorenplattform gar nicht möglich." möchte ich jedoch widersprechen und behaupten: Doch DAS ist möglich! Denn genau diese Erfahrung habe ich gemacht. So stellte ich bei BX mehrere Essays ein. Eines davon wurde weder angeklickt, noch gelesen, dennoch hatte ich beim Schreiben und der Recherche unendlich viel Freude und Spaß"
Mir geht es ähnlich, ich schreibe einfach gerne. Wenn jemand meine Texte liest und/oder kommentiert, bereitet mir das eine zusäzliche Freude.

Vielleicht können wir uns dahin einigen, dass die Motivation zum Schreiben mehreren Bedürfnissen entspringt, wobei die Mischung je nach Situation der Schreiberin/des Schreibers verschieden ist. Ich nenne einige Bedüfnisse:
- Freude am Schreiben,
- Kontakt, was meinen andere zu meinem Text? Werden andere durch meinen Text zu eigenen Gedanken angeregt?
- Anerkennung,
- Status als Schriftstellerin/Schriftsteller,
- Geld,
- ...

Herzlich
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon börnie » 14. Apr 2013, 14:27

Dass auf SN wieder mal so eine interessante Diskussion läuft, ist toll. Und noch dazu wegen eines Gedichts, das hat wirklich enormen Seltenheitswert hier. Dank also an Wapi, der unser kleines verschlafenes Forum hier wieder ein bissl wachgerüttelt hat.

@Signe

Ich hoffe, dass das nicht das einzige ist, was hier zählt. Für mich zählt hier vor allem der freundschaftliche Wettbewerb in unserem Schreibspiel. Ich lasse mich dabei zum Schreiben motivieren und schätze auch die Texte und Kommentare der anderen sehr.

Aber von Lyrik, wie man sie "baut", die verschiedenen Arten etc., hab ich eben wirklich wenig bis keine Ahnung. Wirklich beurteilen kann ich sie also nicht. Ich kann nur sagen das gefällt mir oder das gefällt mir nicht. Von Prosa, verstehe ich ein bisschen mehr, da habe ich eine gewisse Ausbildung.

Auch eine Kathedrale kann ich "schön" oder "vollendet" finden, als Nichtarchitektin, und sogar wenn es mir nicht bewusst ist, so spüre ich vermutlich doch unterbewusst, hier sind Regeln einer Kunst meisterhaft umgesetzt worden, sodass in mir beim Betrachten das Gefühl "Schönheit" oder "Vollendung" entsteht. Wenn Kathedralenbauer mit mir zusammensäßen, könnte ich aber nicht wirklich mitreden.

Ich bin aber trotzdem keine, die auf irgendeinem Fachwissen rumreitet. Und manchmal ist es gerade das gekonnte Brechen der Regeln, was den Reiz eines Texts ausmacht.
Zuletzt geändert von börnie am 14. Apr 2013, 19:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon wapitext » 14. Apr 2013, 14:49

Lieber Heffalump,

Deine Aussage "Der eigentliche Sinn einer Kritik ist es doch nicht, einen Text zu verbessern." will ich etwas modifizieren. Es kommt darauf an. Ist der Text endgültig oder im Enstehen (häufige Situation eines Lektors)? Bin ich in einer Lehrer-Schüler Beziehung, in der etwas verbessert oder mit einer Zeugnisnote bedacht werden soll oder in einer Vorgesetzten-Mitarbeiter Beziehung? ... Je nachdem verfolgt Kritik ein anderes Ziel, ist ein Kritikgespräch schriftlich oder mündlich) anders zu führen.

Grüße
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon Heffalump » 14. Apr 2013, 16:08

@Wapi:

Ja, es kommt eben darauf an, wie weit man den Begriff "Kritik" fassen will. Ich würde bei den Beispielen, die Du anführst, nicht von Kritik sprechen, sondern eher von Beratung, Korrektur oder eben Lektorat. Sicher kann auch eine Kritik dazu führen, dass ein Autor seinen Text noch einmal überarbeitet. Das sehe ich aber nicht als Ziel und Absicht einer Kritik.
Ebenfalls keine Kritik ist natürlich auch die Beschränkung auf eine bloße Meinungsäußerung oder die Wiedergabe eines Empfindens ("Gefällt mir / Gefällt mir nicht / Finde ich schön/unschön/spannend/langweilig" etc.). Auch das ist, für sich genommen, keine Kritik, sondern kann allenfalls in eine Kritik mit einfließen.

Vorgesetzten-Mitarbeiter-Verhältnisse habe ich lange Zeit beim Fernsehen erlebt, wirkliche Kritik, wie ich sie verstehe, ist dort äußerst selten. Das liegt auch daran, dass die unmittelbaren Chefs der Autoren (meist die Producer) in der Regel selbst keine Autoren und dadurch in Bezug auf Textarbeit weniger kompetent sind als ihre Untergebenen. Da gab es häufig Änderungen, die einen Text schlechter machten, oder eine Ablehnung mit der Begründung "Schöner Text, passt aber nicht in die Sendung" oder "Guter Text, sehr witzig, ist aber für unser Zielpublikum zu sophisticated - das versteht keiner" (ein Lieblings"argument"). Mit Kritik hat das alles nichts zu tun.
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon wapitext » 14. Apr 2013, 18:17

Lieber Heffalump

da sind wir uns völlig einig: "Ebenfalls keine Kritik ist natürlich auch die Beschränkung auf eine bloße Meinungsäußerung oder die Wiedergabe eines Empfindens ("Gefällt mir / Gefällt mir nicht / Finde ich schön/unschön/spannend/langweilig" etc.)." Es fehlt das wesentliche "weil .."
Das gilt auch für die negative Kritik. Ohne Begründung wird sie, zumindest in den Augen des Kritisierten zur Verurteilung. Die aber wird nicht akzeptiert. Das halte ich für grundlegend. Gerade in Fällen, wie Du sie geschildert hast. Erst die Begründung einer Meinung macht die Vorgesetzten-Mitarbeiter Beziehung alter Art ("autoritäre Führung") zu einer Kollege-Kollege Beziehung ("Führung im Mitarbeitervehältnis"), schafft die Athmosphäre einer win-win-Situation.

Herzlich
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon wapitext » 14. Apr 2013, 18:21

Liebe börnie,

Du schreibst so nett: "Dass auf SN wieder mal so eine interessante Diskussion läuft, ist toll. Und noch dazu wegen eines Gedichts, das hat wirklich enormen Seltenheitswert hier. Dank also an Wapi". Bitte vergiss nicht, das Signe der Löwenanteil an der hervorgerufenen Diskussion zukommt.

Herzlich
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Re: Sachliche Performance

Beitragvon börnie » 14. Apr 2013, 18:50

Weiß ich nicht, ich habe die Posts pro Person nicht gezählt. Du hast das Gedicht auf alle Fälle eingestellt, also kam der Anstoß von dir.
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