Liebe fragt nicht

Hier bitte eure Lyrik rein

Liebe fragt nicht

Beitragvon gnies.retniw » 15. Feb 2012, 02:16

Mein neuestes Gedicht, noch nicht 'mal bei BX veröffentlicht... :?

Liebe fragt nicht

Liebe fragt nicht
nach Nutzen.
Leben schon!

Liebe fragt nicht
nach Zeit.
Leben schon!

Liebe fragt nicht
nach Sinn.
Lebe ich schon?

Tief gerührt
von meiner
Einsamkeit -
die Sehnsucht aufgebraucht.

Lieben Gruß von Signe
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Re: Liebe fragt nicht

Beitragvon Crimson » 15. Feb 2012, 18:17

Lyrik soll ja immer auch Assoziationen wecken, daher muss ich gestehen, dass meine erste Assoziation die von der Titelmelodie zu "Verliebt in Berlin" war. Sprich, genau deine erste Zeile, gesungen von Nena (glaube ich), lief ständig in Trailern rauf und runter. Das wird dem Gedicht nicht gerecht, da es billigster Popschrott ist, aber es stellte sich ein. Mein Fehler. :)

Was mir wirklich gefällt, ist das Sprachspiel am Ende der ersten drei Strophen, das liest sich vom Takt sehr gut und stellt einen interessanten Zusammenhang her. Denn ich würde argumentieren, dass tatsächlich auch das Leben nicht nach Sinn fragt, man also die Formel "Leben schon" hier nicht hätte verwenden können. Stattdessen die Aussage in eine Frage umzuändern und sie durch den Selbstbezug komplett umzubauen, finde ich sehr gelungen.
Die letzte Strophe allerdings sagt mir weniger. Ist die Aussage des Gedichts, dass die Sprechinstanz eine melancholische Rede führt? Man also die ersten drei Strophen zumindest retrospektiv in bedrückter Stimme lesen müsste?

Wahrscheinlich sagt mir das wenig, weil ich bei Lyrik eher am Spiel mit Sprache interessiert bin und nicht an Emotionen. Daher mein erstes Urteil: handwerklich gut gemacht, inhaltlich nicht mein Fall, zumindest in der Art, wie ich es lese.
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Re: Liebe fragt nicht

Beitragvon gnies.retniw » 15. Feb 2012, 22:11

Lieber Crimson,

erst einmal danke für deine ausführlichen Gedanken zu meinem kleinen Text. Was bin ich froh, dass du deine Nena-Assoziation ganz schnell beiseite legen konntest, denn ihre mit Musik angereicherten Worthülsen, von dir in einem Wort *Popschrott* passend bezeichnet, mag ich nicht.

Crimson hat geschrieben:"...Die letzte Strophe allerdings sagt mir weniger. Ist die Aussage des Gedichts, dass die Sprechinstanz eine melancholische Rede führt? Man also die ersten drei Strophen zumindest retrospektiv in bedrückter Stimme lesen müsste?"


Die letzte Strophe war die, die als erste in meinem Kopf als Gedanke, als Gefühl da war. Sie ist zumindest der Schlüssel zum Gedicht aus meiner Sicht. In wie weit in dem Text eine Melancholie steckt beim Lesen vermag ich schlecht einzuschätzen. Denn ich hatte sie beim Schreiben nicht. Aber darauf kommt es letztenendes, finde ich persönlich, nicht an. Wenn ich z.B. Gedichte von Eva Strittmatter oder Erich Fried lese, ist es mir (relativ) egal, mit welcher Intension sie diese geschrieben haben. Da befasse ich mich auch nicht (wie oberflächlich von mir ;) ) mit den Hintergründen zum Entstehen dieser Gedichte. Ich liebe sie einfach. Und 'mal das eine mehr, mal das andere mehr: immer entsprechend meinen Gefühlen und momentanen Gedanken.

Was ich also sagte möchte: ich lese aus deinen Gedanken, dass du etwas mit meinen Zeilen anfangen konntest, dass sie etwas in dir ausgelöst haben, du zum Nachdenken innegehalten hast... Ist es nicht das, was man mit einem Text erreichen möchte? Lieber Crimson, ich hoffe, du bist jetzt nicht enttäuscht, dass du keine umfangreiche Interpretation von mir bekommen hast und kannst dennoch mit dem von mir Gesagten etwas anfangen? Auf jeden Fall danke ich dir (und das ehrlichen Herzens)!

Lieben Gruß von Signe
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