Das Ende der Gegenwart

Das Ende der Gegenwart

Beitragvon Jacob Nomus » 6. Jan 2011, 23:45

Benutzeravatar
Jacob Nomus
 
Beiträge: 732
Registriert: 07.2010
Highscores: 132
Geschlecht: männlich

Re: Das Ende der Gegenwart

Beitragvon murkele » 10. Jan 2011, 06:40

So, meinen Kommentar gibt es schon mal hier, die Punkte später dann im Abstimmungsthread. Viel später. Aber rechtzeitig. Hoff ich jedenfalls. *hüstel*

Mönsch, Jacob, kannst du denn nicht mal einmal eine Geschichte schreiben, die man auf Anhieb verstehen kann und nicht ein zweites Mal lesen muss, um wirklich alle Feinheiten zu entdecken? Nee, nee, nee ...

Gut recherchiert auf jeden Fall, mit einer gehörigen Portion Wissenschaft, die sich nachvollziehbar darstellt. Man könnte darüber streiten, ob es jetzt so ausführlich gemacht werden muss oder nicht - mich hat es nicht gestört. Da konnte ich dir auch noch folgen.
Irritiert hatten mich die Namen. Bei dir vermutet man stets - zu Recht - einen tieferen Sinn hinter der Namensgebung (siehe z. B. 'Nemesis'), aber bei Celeste musste ich kapitulieren. Tat allerdings dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Hie und da holpert es sprachlich, nichts, was sich nicht ausbügeln ließe - und auch das tat dem Lesevergnügen ... (s. o.).

Tja, und dann der Schluss. Erst stand ich auf dem Schlauch. Gut, vielleicht hatte ich beim ersten Mal zu schnell gelesen. Beim zweiten Mal stand ich dann nur noch mit einem Zeh auf dem Schlauch. Bis ich Google bemühte, feststellen musste, dass man geschichtliche Daten doch ein bisschen besser präsent haben sollte (sorry, Geschichte war nie ein Faible von mir, lediglich ein Muss in der Schule, obwohl, mittlerweile, so einiges ... ich sag nur: Etrusker. Hehehe.) und begeistert war. Und immer noch bin.

In der Geschichte wimmelt es von Anspielungen auf das Thema: Der Kreis, den Vernoz auf den Silicium-Würfel graviert, den Kreis der 'Jeder liebt jeden, aber jeder den oder die Falsche', das kreisförmige Tal, in dem Kreon auf der Suche nach Medea landet, Kreise, die sich bei den Zeitreisen schließen - hab ich noch Kreise vergessen? ... kein Wunder, dass du meintest, es werde gemunkelt, man könne sich bei 'kreisverkehrt' das Hirn verknoten. Meins kreist auch wieder.

Alles in allem ein überaus lesenswerter Text. Punkte, wie gesagt, später im Abstimmungsthread.

Claudia
Benutzeravatar
murkele
 
Beiträge: 551
Registriert: 07.2010
Highscores: 46
Geschlecht: weiblich

Re: Das Ende der Gegenwart

Beitragvon Jacob Nomus » 10. Jan 2011, 13:08

Heute Morgen fiel mir auf, dass am Ende der Geschichte eine wichtige Information fehlte. Dieser Fauxpas irritiert mich, denn ich hatte sie geschrieben, aber de facto in der eingestellten Version gelöscht. Ohne sie kann tatsächlich das Ende nicht eindeutig verstanden werden.
Auch der Verweis auf den Personenkreis um Homers Jason scheint wegen der dem Spielleiter gewidmeten Umbenennung der Glauke in Celeste nicht deutlich zu sein, schlimmer noch, zu verwirren.

Schludrigkeiten des Autors; der Text wurde zu knapp vor dem Abgabetermin fertig. Man möge mir verzeihen, dass ich den Text während des laufenden Spiels überarbeitet habe.

Jacob
Benutzeravatar
Jacob Nomus
 
Beiträge: 732
Registriert: 07.2010
Highscores: 132
Geschlecht: männlich

Re: Das Ende der Gegenwart

Beitragvon murkele » 10. Jan 2011, 14:02

Das haben wir gerne, Jacob, erst das Hirn mit der Themenstellung schwurbelig machen und dann noch mit der Geschichte selber. :fooli134:
Möge das nächste Thema dafür Rache nehmen ...
Benutzeravatar
murkele
 
Beiträge: 551
Registriert: 07.2010
Highscores: 46
Geschlecht: weiblich

Re: Das Ende der Gegenwart

Beitragvon Heffalump » 11. Jan 2011, 21:17

Ein Wechselbad zwischen Faszination und Irritation.
Viele Zeitreise-Geschichten, in denen Leute sich auf Zeitmaschinen schwingen und damit in eine Vergangenheit fahren, in der weder sie selbst noch ihre Maschinen existiert haben, beleidigen die Logik. Wieviel eleganter und überzeugender ist da die Idee eines Duplikats, das sich erst am entsprechenden Zeitort aus den dorthin gesandten Daten materialisiert, mit dem geborgten Bewusstsein seines Originals eine Weile umherspaziert, um es am Ende, durch neue Erfahrungen bereichert, zurück zu übermitteln.
Das hat schon was.
Wie es dazu kam, wird Schritt für Schritt verständlich dargelegt – im ersten Moment erschrickt man vielleicht vor der gelehrten Abhandlung, merkt aber schnell, dass sie organischer Bestandteil der Erzählung ist, in Inhalt und Umfang völlig angemessen.
Verblüffend die Richtungsänderung der Erdrotation, die Kreon und Medea das Leben rettet (vor rund 200 Millionen Jahren, zur Zeit eines der großen Massensterben in der Erdgeschichte, dessen Ursachen noch nicht wirklich erschlossen sind). Fachwissenschaftler würden bei dem Gedanken vermutlich aufjaulen, aber verschiedene alte Überlieferungen beteuern, dies sei auch noch in geschichtlicher Zeit mehrfach passiert. Auf jeden Fall eine Idee, der man nachspintisieren kann.

Was ich gar nicht sehe, ist ein innerer Zusammenhang zwischen den Figuren und ihren antiken Namensträgern. Das irritiert ein wenig, fällt aber letztlich nicht ins Gewicht – die Leute heißen eben so, und hießen sie anders, würde die Geschichte sich nicht ändern oder etwas verlieren.
Unentschlüsselt bleibt auch das Phänomen der zwei Monde am Mittagshimmel. Da es aber auf den weiteren Verlauf keine Auswirkung hat, fällt auch das nicht ins Gewicht.
Anders verhält es sich am Ende. Da bleibt manche Frage offen, weil zunächst Fässer aufgemacht werden, aus denen dann aber nicht mehr ausgeschenkt wird.
So hat Jason sich eines raffinierten versuchten Doppelmordes sowie eines vollendeten Mordes schuldig gemacht, letzterer so plump ausgeführt, dass er wohl nicht vertuscht werden könnte. Welches sind die Konsequenzen (für sein Original, das ja immer noch da liegt)? Wie geht Kreon damit um? Wie Medea (von der erfährt man ab hier gar nichts mehr)?
Wie wirkt sich der Tod des einen Duplikats auf Jason aus? Ist er nun halb tot?
Und stürbe er (oder würde umgebracht, vielleicht von Medea) – stürbe dann auch sein zweites Duplikat?
Warum hat Kreon bei seiner Reise in die Vergangenheit nur zwölf Stunden zur Verfügung, Medea einige Stunden mehr – Jasons Zweitduplikat aber mindestens einige Monate? Das wirkt doch etwas rätselhaft.

Am meisten stört mich der Ausflug in die Nazizeit. Der Gedanke „In die Vergangenheit reisen – Hitler verhindern“ ist zwar naheliegend (für mein Gefühl liegt er allzu nahe, um nicht wohlfeil zu sein), die Episode fügt sich aber in diese Geschichte überhaupt nicht organisch ein, sondern ist ein völliger Fremdkörper.
Natürlich, so ein ruhmsüchtiger Jason wählt für das Attentat mit Bedacht einen Zeitpunkt, als schon zahllose Opfer zu beklagen waren und auch der Krieg bereits begonnen hatte, um vor der Nachwelt auch sicher als Held dazustehen (vermutlich wird dann auch das erfolgreiche Bombenattentat ihm zugeschrieben und nicht Georg Elser). 1892 den Dreijährigen im Inn zu ertränken wäre zwar effektiver, aber nicht sonderlich ruhmreich gewesen. Insofern wird Jason durch sein Vorgehen noch einmal treffend charakterisiert.
Trotzdem – in den Zusammenhang dessen, was sonst in dieser Geschichte erzählt wird, passt das einfach nicht hinein.

Anders der Schluss – da hatte das Schlitzohr wirklich eine hervorragende Idee. 200 Millionen Jahre alte Menschenknochen – die Geschichte des Homo sapiens wird von Grund auf neu geschrieben werden müssen.

Insgesamt, trotz einiger Abstriche, eine spannende und anregende Lektüre.
Benutzeravatar
Heffalump
 
Beiträge: 516
Registriert: 07.2010
Geschlecht: männlich

Re: Das Ende der Gegenwart

Beitragvon Jacob Nomus » 11. Jan 2011, 22:07

@ Michael - Kurz die Antworten, die sich eigentlich aus dem Text ergeben sollten:

1.) Das Bewusstsein des Originals wird an das Duplikat übertragen. Tritt das Duplikat die "Rückreise" an, wird nur das Bewusstsein übertragen und das Original von der Matrix anschließend aus dem Koma erweckt. Tritt das Duplikat die Rückreise nicht an, weil es stirbt oder abtrünnig wird, wird das bewustseinsleere Original nicht mehr aus dem Koma erwachen.

2.) Das Zeittor (= die vom Hauptcomputer berechnete, garantiert von Himmelskörpern freie Route) ist 12 Stunden offen. Je mehr der Zeitreisende diese Zeit überschreitet, desto riskanter wird die Rückreise. Dieses Szenario ist Jason egal, denn er will nicht zurück. Möge man seinem komatösen, bewusstseinsleeren Original den Prozess machen! Er hat sich mit der Aktion von 1939 von seiner Schuld reingewaschen und wird sein Leben in Freiheit ab dem Jahr 2019 weiterleben.

Übrigens kommt er erst 2020 im Auge Afrikas an, weil er ein paar Monate braucht, um sich Klamotten, einen gefälschten Führerschein und Geld für den Jeep zu besorgen. :)

Jacob
Benutzeravatar
Jacob Nomus
 
Beiträge: 732
Registriert: 07.2010
Highscores: 132
Geschlecht: männlich

Re: Das Ende der Gegenwart

Beitragvon Jacob Nomus » 11. Jan 2011, 22:20

Anbei der Grund, warum die Forscher nackt verreisen:

Die Zeitreisen werden gerade erst erforscht. Zum Zeitpunkt, in dem die Geschichte spielt, ist der wissenschaftliche Status Quo, dass anorganische und organische Stoffe in die Zukunft geschickt werden können. Medea forscht daran, Menschen in die Zukunft zu schicken, Jasons Versuchsreihe hingegen beschäftigt sich mit dem Verschicken von anorganischen Stoffen in die Vergangenheit.

Wenn man in der Forschung ein Experimentaufbau verändert, variiert man nur eine oder wenige Variablen, um deren Auswirkungen quantitativ und qualitativ feststellen zu können. Nach einer unbekleideten Maus wird ein unbekleideter Mensch angestrebt werden, kein US Marine mit kompletter Ausrüstung. Das wird irgendwann kommen, aber an diesem Punkt sind die Forscher noch nicht.

Eben weil das Verschicken von Menschen in die Vergangenheit noch nie versucht worden ist, sollte der Mord an Medea und Kreon gelingen. Dass sie zurück kamen, war zugleich Grund und Ausweg für Jasons Flucht. Tatsächlich ist Jasons Flucht höchst riskant, denn er wagt zwei Veränderungen gegenüber der Reise von Medea: Er dupliziert das Bewusstsein und er nimmt Messer und Zettel mit.

Jacob
Benutzeravatar
Jacob Nomus
 
Beiträge: 732
Registriert: 07.2010
Highscores: 132
Geschlecht: männlich

Re: Das Ende der Gegenwart

Beitragvon Heffalump » 11. Jan 2011, 23:07

Jacob,
jetzt hast Du mich missverstanden.
Was Du unter Punkt 1 erklärst, hatte ich schon begriffen. Mir ging es um den umgekehrten Fall: Wenn das Original stirbt - was passiert mit dem Duplikat? Ist es auch tot? Oder frei (zumindest relativ - gefangen natürlich in der Zeit, in der es sich materialisiert hat)?
Deine Ausführungen zu Punkt 2 scheinen allerdings eine Antwort anzudeuten, die zu letzterer Möglichkeit tendiert.
Benutzeravatar
Heffalump
 
Beiträge: 516
Registriert: 07.2010
Geschlecht: männlich

Re: Das Ende der Gegenwart

Beitragvon Jacob Nomus » 11. Jan 2011, 23:30

@ Michael - Es ist exakt, wie du es sagst: Das Duplikat ist frei.

Jason wird in seinem "Avatar", inklusive biologischem Matrix-Timer in der Hand, bis zu seinem Lebensende verweilen, unabhängig vom Schicksal seines originären Körpers.

Jacob
Benutzeravatar
Jacob Nomus
 
Beiträge: 732
Registriert: 07.2010
Highscores: 132
Geschlecht: männlich

Re: Das Ende der Gegenwart

Beitragvon Lies » 13. Jan 2011, 21:37

Ich bin ja einer dieser minderbemittelten Leser, die nur Zwischenmenschliches wirklich interessiert. Damit meine ich, auf die Idee, angeblich wissenschaftlich untermauerte und als Fakten verkaufte Daten überprüfen wollen, das fiele mir im Traum nicht ein. So ist es mir auch egal, wie realistisch eine solche Story aufgemacht ist, falls jemand daran Zweifel hat, soll er doch, ich verbuche das lieber unter ausufernde Fantasie, erfreue mich an dem Ergebnis und basta.

3 Punkte
Benutzeravatar
Lies
 
Beiträge: 2116
Registriert: 07.2010
Geschlecht: weiblich

Nächste

Zurück zu "Jacob Nomus"

 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron