Leaving Jurassic Park (2012)

Re: Leaving Jurassic Park (2012)

Beitragvon Garlin » 13. Feb 2012, 16:21

"Im Zweifel für den Zweifel"

Eine Studiengruppe kurz vor dem Abschluss. Darin Martin. Er strengt sich an, um von der Gruppe Abstand zu gewinnen, will allein sein, allein mit sich und seinem Selbstmitleid.
Aber Bergtouren sind per se anstrengend und können einen ungeübten Flachlandtiroler schon zum Kotzen bringen. Aber was sagt uns das? Martin verlässt nicht die Hütte, weil ihn die Mitstudenten anekeln, sondern der Geruch nach Speckknödel, Schlutzkrapfen und Kaiserschmarrn. Das Ganze ist etwas langatmig, wobei aber sich die Beschreibung der 'Unechtheit' der Hütteneinrichtung auch auf Martins Gefühle übertragen lässt – Gedanken ans Meer, sinnlose Songzeilen, etc.
Dann Sarah. Sie talken small. Reden als Studenten über ihren Studentenalltag, wie Banker bei einem Bankerausflug über Bankeralltag reden würden.
Erst dann geht Martin etwas aus sich heraus, deutet seine Ziellosigkeit, seine Zweifel an, bekommt als Antwort aber nur Plattheiten. Ist das der Grund, warum er zwar Interesse hat, aber vor größerer Nähe auch später, beim Abstieg zurückschreckt?
Auch da wird das Gespräch nicht viel gehaltvoller, und das ist gut (im Sinne der Geschichte). Jeder bleibt für sich mit seinen Ängsten, jeder hat eine andere, aber dennoch gleich unbestimmte Vorstellung vor der Zukunft, die bei Martin sogar eine gewisse Todessehnsucht erkennen lässt (Absturz, Saurierattacke).
Erst die Ankunft der Verletzten reißt ihn heraus; er zeigt Mitgefühl. Doch die Depression gewinnt sofort wieder die Oberhand. Er gesteht, Angst vor der Einsamkeit zu haben, tut aber nichts dafür, sie zu überwinden. Tragisch.
Wirklich gut geschrieben, wenn auch einige Passagen etwas langatmig – die Landschaftsbeschreibungen an der Hütte, die Abtransportmodalitäten der Verletzten z.B. , aber die Hilflosigkeit, ja fast Hoffnungslosigkeit und die Angst Martins vor Veränderung, vor Neuem, lassen sich sehr gut nacherleben.
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Re: Leaving Jurassic Park (2012)

Beitragvon Crimson » 15. Feb 2012, 19:56

Jetzt aber!

Ich versuche mal, auf alle Stimmen in einer Antwort einzugehen. Ich hoffe, da fühlt sich niemand unausreichend behandelt, es sei nur vorangestellt, eure Kommentare haben mir wirklich was geholfen.
Zum Thema der Länge und der Wiederholungen: In gewisster Weise sollen Stellen des Textes repetitiv sein, denn die Außenwelt ist hier ein Spiegel der Innenwelt Martins und in dessen Kopf geht es im Moment auch nicht gerade geordnet zu. So gesehen muss und will ich dem Leser ein paar Wiederholungen antun. Natürlich sollen diese nicht zuviel werden. Zwei Erwähnungen sich nieder senkender Wolken gleich im ersten Absatz? Zu viel! Wird gekürzt. Und ja, ich glaube, es gibt defintiv zu viele Erwähnungen von schwitzenden Körpern, auch wenn ich da Unterschiede sehe. Zum Beispiel ist Martins durchgeschwitzer Gesamtauftritt ein anderes Zeichen als Sarahs verführerisch schweißbedeckte Haut - aber mir ist klar, dass hier nicht die störenden Wiederholungen sind. Also danke für diesen Punkt, ich werde beim nächsten Überarbeiten gezielt auf zuviel landschaftliche Beschreibung achten.

Zu der Szene mit der Verletzung. Börnie ist der Meinung, das hilft dem Text nichts, bei Garlin habe ich rausgelesen, dass er da schon eher einen Sinn sieht, aber die Beschreibung des Abtransports zu langatmig findet. Die Szene ist im Text, damit die Verbliebenen noch einmal warten müssen, für die zweite Anspielung auf Jurassic Park und für Martins Blick auf die Wälder. Was genau ist als zu lang empfunden? Die ganze Szene, nur die Beschreibung ihres Abtransports? Drinn lassen würde ich das eigentlich gerne, aber gerne auch gekürzt. Denn ich stimme zu, die Handlung selbst spielt weniger Rolle für den Fortgang der Geschichte, eher für das drum herum. Aber da die Szene stattfindet, hatte ich Skrupel, sie nicht im gleichen Tempo zu erzählen wie den Rest.

@ Lies: Danke für die Direktkommentare. Ich werde vieles davon für die Korrektur berücksichtigen. Eines jedoch nicht: Er gab ihr allerdings einen Schluck. Natürlich gab er ihr einen Becher in die Hand und fütterte sie nicht von Mund zu Mund. Aber ich erlaube mir an der Stelle die durchaus sexuell gemeinte Anspielung und das meiner Meinung nach schönere Bild.

@ Philhumor: Der Vergleich mit Bergbesteigung und Studium ist super, vor allem die Nicht-Idylle aus Plastik am Ziel. So habe ich das während dem Schreiben und darüber nachdenken gar nicht gesehen. Aber ich finds eine tolle Interpretation davon, danke dafür.
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Re: Leaving Jurassic Park (2012)

Beitragvon Lies » 16. Feb 2012, 08:33

@lies: Danke für die Direktkommentare. Ich werde vieles davon für die Korrektur berücksichtigen. Eines jedoch nicht: Er gab ihr allerdings einen Schluck. Natürlich gab er ihr einen Becher in die Hand und fütterte sie nicht von Mund zu Mund. Aber ich erlaube mir an der Stelle die durchaus sexuell gemeinte Anspielung und das meiner Meinung nach schönere Bild.

Lach, es ist Deine Geschichte Dennis, also gilt, was Du das schönere Bild nennst, für mich hatte das natürlich auch ein Bild und zwar eines von unbeabsichtigter Komik:-))

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Re: Leaving Jurassic Park (2012)

Beitragvon murkele » 17. Feb 2012, 22:09

Ich mag deine Geschichten und auch diese bildet keine Ausnahme. Eine sprachliche Überarbeitung tut not, ganz ohne Frage (die bereits erwähnten Wolken, die sich binnen kurzer Zeit zweimal herabsenken; die Körper- und die Außentemperatur; „ Die in den Fels gehauenen Holzstufen waren jetzt glitschig und sie rutschten mehrmals aus. Martin war mehrmals kurz davor, sie zu greifen, ...“ - sind nur ein paar Beispiele), doch im Großen und Ganzen finde ich den Text gelungen, atmosphärisch dicht, intensiv („Mit geschlossenen Augen atmete er tief ein und streckte seine Hand aus. Der weiße Nebel schoss über sie hinweg. Ihm war nie bewusst gewesen, dass man Wolken tatsächlich berühren konnte.“ Klasse!)
Ich bin noch unschlüssig, ob ich den Text auch zu lang finde – zumindest hab ich das an keiner Stelle tatsächlich so empfunden. Mag sein, dass ihm eine Straffung gut täte, probier's einfach aus.
Ich bin jedenfalls gespannt auf deine Überarbeitung und freue mich bereits jetzt darauf, ihn dann wiederzulesen (das hab ich extra zusammengeschrieben, analog zu „wiederzusehen“). :)

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