Under African skies

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Beitragvon murkele » 24. Jan 2012, 17:46

Ich hab auch mal wieder was Neues geschrieben und bin euch für jede Rückmeldung dankbar. :)

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Re: Under African skies

Beitragvon börnie » 24. Jan 2012, 19:05

:shock: :shock: :shock:

Dachte grad, mich von Svens Schweineschlachtung und Jacobs selbstverstümmelnder Nekrose erholt zu haben ...

Es liegt wohl grad ein ziemlich brutaler Thementrend in der Luft!

Muss mich erst ein bisschen sammeln, bevor ich mehr dazu schreiben kann ... :fooli016:
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Re: Under African skies

Beitragvon murkele » 24. Jan 2012, 19:37

SO schlimm???
Ich glaub, das diskutieren wir dann lieber bei einem Glas Wein ... (oder zwei oder drei oder ...) :fooli005:
Bis dahin fächer ich dir ein bissel Luft zu: :fooli042:
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Re: Under African skies

Beitragvon börnie » 24. Jan 2012, 20:15

Schlimmer ist, dass ich gerade einen ewig langen Kommentar zu deiner Geschichte geschrieben hab und jetzt ist er WEG. JETZT kannst du mir Luft zufächeln. :fooli024:
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Re: Under African skies

Beitragvon murkele » 24. Jan 2012, 20:25

*FÄCHEL* :)
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Re: Under African skies

Beitragvon Jacob Nomus » 24. Jan 2012, 20:57

Zwei Dinge:

Auf BookRix wurden die Erzählsprünge kritisiert. Auch wenn ich von Murkele kontinuierliche Perspektive- und Zeitwechsel gewohnt bin, ist der Sprung vom Ehemann zum Einsiedler nicht sofort klar. Im ersten Moment nahm ich einen Zeitsprung an, ohne Wechsel des Protagonisten, habe dann aber sofort nachgeschwenkt. Unbedarfte Leser könnten irritiert sein, weswegen vielleicht ein sonstwie gearteter Übergang zu überlegen wäre, der den Wechsel ankündigt, z.B. "Zur selben Zeit, einige Meilen entfernt, saß ein Einsiedler nackt im Fluss ..." (Seite 15).

Inhaltlich finde ich die Motivation der Protagonistin diskutabel, die Giraffe zu schießen. Alexander und Monika (deutsch klingende Namen) + Verabredung mit (dem einen) Gott = der Gott der Christen ist die Lämmer Leid und will zur Abwechslung mal eine Giraffe geopfert bekommen? Giraffenopfer sind mir nun in monotheistischen Glaubensrichtungen nicht bekannt. Ich würde die Erkärung anders herum angehen: Wer könnte eine wahrscheinlich geistig normale Monika auf die Idee bringen, eine Giraffe schießen zu müssen, um ihr Leben freizukaufen?

Beispiel: Die krebskranke Monika wendet sich verzweifelt an einen Hellseher, der ihr vorhersagt, dass sie die Krankheit besiegen wird. Sie schöpft Hoffnung und schafft es tatsächlich, die nötige Kraft aufzubringen. In ihrer Angst, den Krebs nicht vollkommen besiegt zu haben, wendet sie sich wieder an diese seltsame Gestalt, welche, wissend um ihre Afrikareise, ihr sagt, sie würde sich freikaufen können, wenn sie eine Giraffe schießt. Sie bezweifelt dies nicht, hatte der Hellseher doch auch beim vorherigen Mal Recht. Der unbekannte Hellseher als vom Leser nicht in Frage zu stellende Instanz wäre somit Auslöser der seltsam anmutenden Safari.

Insgesamt ein flüssig zu lesender Text, welcher etwas Magensäure hinterlässt, weil Monika doch eigentlich so lieb war und nur der Einsideler ihre Motivation vollkommen falsch eingeschätzt hat. :)

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Re: Under African skies

Beitragvon börnie » 24. Jan 2012, 23:58

In Kürze:

Eine griechische Tragödie unter afrikanischen Himmeln. Eine persönlichkeitsveränderte Krebskranke (Kopftumor?) gleitet ab in Wahnideen, ermutigt von einem sorglosen Vater mit fragwürdigen Motivationsmethoden und unterstützt von einem ambivalenten, konfliktscheuen Ehemann. Der rachedurstige Soziopath sorgt dafür, dass die ganze Angelegenheit endgültig im Verderben endet.

Eine unselige Verkettung von Täuschungen, irregeleiteten Handlungen und Zufällen.

Das alles in einer kurzen Geschichte, kein Wunder dass manche Leser schier überwältigt sind! Die Perspektivenwechsel erinnern ja auch eher an die klassische Romanbauweise ... ;)

Mich hat der Text trotzdem fasziniert, der Mut, unsympathische Protags (außer der Giraffe) und deren menschliche Widerwärtigkeiten und Abgründe zu beschreiben. Ich hab mich auch geekelt. (Jacobs Magensäureanspielung kann ich nur bestätigen). Das viele Blut und die realistisch geschilderte Grausamkeit könnte bei schlechten Schreibern schief gehen, billig und effekthascherisch wirken. Hier geht es sich aber aus, weil sehr gut geschrieben wurde.
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Re: Under African skies

Beitragvon Lyre » 25. Jan 2012, 15:54

Also ich finde die Geschichte richtig gut. Was wäre wenn sie in Deutschland ein Wildschwein geschossen hätte? Damit hätte wahrscheinlich niemand ein Problem. Selbst ein Gnu in Afrika wäre ok. Was berührt, ist, dass es eine Giraffe ist. Genauso könnte es nur noch ein junger Delfin sein…Ein Tier das mehr Emotionen hervorruft als ein anderes Tier. Es geht auch um die unterschiedliche Interpretation der gleichen Situation. Sie ist glücklich und bedankt sich bei dem toten Tier, der Einsiedler glaubt, sie verhöhne das Tier, was ihn ganz besonders empört.
Wie oft passiert es, dass ein und dieselbe Situation ganz unterschiedlich gesehen, aufgenommen und beurteilt wird? Das kommt in dieser Geschichte sehr gut zum Ausdruck. Es geht weniger um den Tod einer Giraffe an sich, es geht eher um die unterschiedliche Wahrnehmung ein und derselben Situation unter verschiedenen Voraussetzungen. Wem gilt das Mitgefühl des Lesers? Der jungen Frau, dem Einsiedler oder dem Tier?
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Re: Under African skies

Beitragvon börnie » 25. Jan 2012, 18:29

Ich find die Geschichte auch gut geschrieben, aber sie ruft eben starke, widersprüchliche Emotionen hervor: Mitgefühl, Abscheu, Irritation, Ekel, Faszination... Ein guter Autor kann ja grundsätzlich über alles schreiben und es wird ankommen, ich denk da mal an Macbeth: Da wimmelts von garstigen Widerlingen, Mord, Totschlag, Wahnsinn-und die Zuseher sind erschüttert, entsetzt, angewidert... und lieben es. (Ach was, Macbeth. Jeder zweite Hauptabendfilm funktioniert doch nach diesem Prinzip. Da gehts auch nur mehr darum, ist der Film gut gemacht oder nicht.)

Ansonsten: Mich hätte auch die Idee ein Wildschwein zu schießen, befremdet, weil die Idee, Gott mit einem rituellen Tieropfer manipulieren zu wollen, zwar früher üblich war, aber in der heutigen aufgeklärten Zeit völlig neben der Spur wirkt. Ich fand eigentlich alle Protags hier neben der Spur (außer der Giraffe) und von daher mitgefühlswürdig. Und genau das macht aber für mich die Vielschichtigkeit und den Tiefgang dieser Geschichte aus. Keine Gewinner, nur Verlierer. Ein echtes Unhappy End. Ich sag ja, wie in einer klassischenTragödie.
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Re: Under African skies

Beitragvon Garlin » 29. Jan 2012, 12:10

Unter dem Buch habe ich meine Eindrücke bereits angedeutet: Es ist das ewige Kreuz mit der Menschheit. Wenn man nicht weiter weiß, sucht man Hilfe von dort oben. Aber dort oben sitzen rachsüchtige, egozentrische, blutrünstige, bestechliche Götter, die der Mensch ja nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat. Aber das hat er irgendwann vergessen und glaubt nun an seinen eigenen Blödsinn. Und das, seit ein Neandertaler zum ersten Mal den Mond angeheult hat. Das Zeitalter der Aufklärung ist ein Witz, die Dummheit wird es auch in aller Zukunft geben. Wer glaubt, sich durch allerlei esoterischen Unfug wie Pendeln, Kartenlegen, Urintrinken, Telefonheilung und schamanischen Nackttanz von seinem Übel befreien zu können, hätte im Mittelalter auch Ablassbriefe gekauft und Hexen angezündet. Ein Großwildjäger ist nur das moderne Abbild des Kelten, der den Kopf seines Feindes an die Wand nagelt. Die Intention ist die gleiche. Die Priester, die im Jerusalemer Tempel knöcheltief im Opferblut gewatet sind, heißen heute Wahrsager, Geistheiler oder gar Heilpraktiker. Die Gedankenwelt hat sich praktisch seit der Steinzeit nicht verändert.
Und das zeigt Claudias Geschichte meiner Meinung nach ganz deutlich. Ich finde die Sprünge nicht störend – im Gegenteil. Ein bisschen gefordert sollte man beim Lesen schon werden.
Und die Giraffe? Nun ja, Siegfried hätte auch nicht im Blut eines Wildschweins gebadet. Lyre hat Recht: Das Tier muss emotional aufgeladen sein. Aber Drachen gibt's halt nicht mehr!
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