Under African skies

Re: Under African skies

Beitragvon Crimson » 29. Jan 2012, 17:03

Eine Geschichte, die emotional auf jeden Fall funktioniert, weil sie die bereits beschriebenen Emotionen auslöst. Der 'sinnlose' Tod von majestätisch wirkenden Tieren löst in den meisten, eher pazifistisch veranlagten Menschen immer Gefühle des Hasses auf seine menschlichen Mörder aus, vor allem in fiktionalen Geschichten. Wilderer sind immer die Bösen. Mir geht es da nicht anders, ich bin jemand, der sich über jeden menschlichen Todesfall bei einem Stierkampf freut, oder über Trophäenjäger, die sich im Wald gegenseitig umnieten - das mag eine Art zynisches Gutenmenschentum sein, ist aber tief verwurzelt.

Nun zur Kritik: Ich stellte mir nach dem Lesen die Frage, ob die Emotionen wirklich so eindeutig gesteuert sein sollen. Ich war am Ende des Textes auf Seiten des Einsiedlers, der der an sich verzweifelten Frau den Kopf abgeschnitten hat. Ich meine, sie hat eine Giraffe getötet, die in der Geschichte sogar als Babygiraffe geschildert wird. ALS BABYGIRAFFE, deren Mutter eben erschossen wurde! Das ist der Bamby-Effekt! Das ist der Stern-TV Faktor, wenn dort immer wieder niedliche Tierbabys in die Kamera gehalten werden und man einfach nicht mehr wegschalten kann, egal, wie doof die Interviews sind.
Ich glaube, der Text soll ambivalent angelegt sein, also auch eine starke Begründung für die Tat der verzweifelten Frau liefern. Ich fürchte nur, die Gegenseite überwiegt moralisch, weil man denkt: "Blöde Esoterik-Tante, das wars jetzt. Und den Krebs hätteste damit eh nicht besiegt, also machts ja auch nix."

Was könnte die Lösung dafür sein? Vielleicht wirklich, den Text um ein paar Rückblenden zu erweitern, in denen die Motivation der Frau ausgebaut wird. Szenen mit einem irgendwie gearteten Medium / Geisterheiler / Seher. Der Frau ein paar Szene geben, die vielleicht zu kitschig oder melodramatisch wären, in diesem Text aber dazu führen würden, die Waagschale in ihre Richtung zu pendeln.

Zu den Erzählsprüngen: Einzig der Sprung vom Mann zum Einsiedler irritierte mich tatsächlich kurz, der sollte verändert werden. Den Rest fand ich vollkommen okay so.
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