Neujahrsmond

Neujahrsmond

Beitragvon murkele » 6. Jan 2011, 16:23

Nachdem mein Hirn kreiste, meine Gedanken in Kreisen verkehrten und sich das Fragezeichen in meinem Kopf endgültig zu verknoten drohte, beschloss ich einfach mal, den Blickwinkel zu verändern, und wählte einen völlig anderen Ansatz.
Und siehe da ...



Viel Vergnügen beim Lesen! :)
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Re: Neujahrsmond

Beitragvon Heffalump » 13. Jan 2011, 16:55

Tja, wie schätze ich das nun ein?
Auf jeden Fall hat mir die Geschichte beim zweiten Lesen besser gefallen als beim ersten. Ob ich sie vielleicht noch fünfmal…?

Sie ist hübsch ausgedacht, nett geschrieben, hat eine Handlung, der man folgen kann, enthält lustige Stellen und geht am Ende gut aus. Fein.

Leider wird sehr vieles nur behauptet und sehr wenig wirklich dargestellt. Das beginnt beim Grundsätzlichen: Wir befinden uns in einer Welt, die von Hexen, Zwergen, Trollen, Elfen, Einhörnern bevölkert wird, einer Welt voller Zauberei und Magie – und nichts davon wird spürbar. Was geschildert wird, sind hauptsächlich Alltäglichkeiten, wie sie sich unter Normalsterblichen auch abspielen könnten. Eine junge Frau arbeitet Schulden ab bei einer Herrin, die sie schikaniert, sie putzt, kocht, geht einkaufen – alles sehr gewöhnliche Vorgänge. Einmal wird der Kochtopf sauber gehext – nun ja.
Eine Hexe und ein Zauberer tragen, genau wie zwei gewöhnliche keifende Nachbarn, die einander spinnefeind sind, ein rein verbales Scharmützel aus. Mehr nicht. (Wenn ich da an die Auseinandersetzung zwischen Merlin und Mim denke…!)
Dann steht die Beschwörung eines mächtigen Dämons bevor (die Angaben über ihn bleiben allerdings äußerst vage), der das ganze Land jahrhundertelang ins Verderben stürzen könnte – also doch wohl eine furchtbare Bedrohung. Die wird aber nur sehr beiläufig am Rande erwähnt. Anscheinend nicht so wichtig. (Wie im Grunde alles in dieser Geschichte auf eine Weise erzählt wird, als wäre es nicht so wichtig.)
Die drei armen Kinder sind in Wahrheit eine Elfe (die streift wenigstens mal kurz ihr Tarngewand ab und präsentiert sich), ein Troll und ein Einhorn (von den beiden wird das wiederum bloß behauptet, nicht gezeigt).
Die drei hausen heimlich in der Hütte der jungen Frau – muss man befürchten, dass jeden Moment die Hexe hereinkommt und sie bemerkt? Nö. Nicht in dieser Geschichte. Da ist so eine Spannung offenbar nicht vorgesehen.
Unterm Tisch verstecken, heimlich ein Zeichen im Kreis wegwischen, dafür ein anderes hinmalen (für all das braucht man keine Elfe zu sein), und das in Anwesenheit der Hexe – da ist doch nun aber die Spannung auf dem Siedepunkt, die Gefahr der Entdeckung riesengroß? Nö. Nicht in dieser Geschichte. Alles geht glatt und reibungslos, als könnte es gar nicht anders sein.
Und das ist eben der wunde Punkt. Eine Gefahr, die allenfalls nebenbei behauptet, aber nie geschildert und spürbar gemacht wird, ist keine. Ein Held, der keine hohen Hürden zu überwinden, keine Prüfungen zu bestehen und keine Konflikte zu bewältigen hat, ist keiner. Ein Weg zum Erfolg, der kurz, glatt und gerade ist, ist nicht spannend. Und der Erfolg letztlich ohne Wert.

Dass magische Wesen sich mit ganz normalen Alltagsproblemen herumschlagen, könnte ein witziger Kontrast sein. Aber nicht, wenn eben dieser Kontrast fehlt, weil das Magische zugunsten des Alltäglichen allzu weitgehend unterdrückt wird.

Eigentlich schade. Ich glaube, diese Geschichte enthält mehr Potential, als tatsächlich genutzt wurde.
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Re: Neujahrsmond

Beitragvon Crimson » 13. Jan 2011, 20:56

Diese Geschichte enthält tatsächlich nicht die Spannung und die Dramaturgie, die man von einer Fantasygeschichte erwarten könnte - könnte wohlgemerkt so verstanden, dass es nicht zwingend sein muss, wie viele Beispiele vor allem aus dem kinderliterarischen Phantastikbereich zeigen. Da geht es eher um das Wundersame und um Komik.
Für mich ist der fehlende Anteil an Dramaturgie also kein Problem, allerdings würde ich die Geschichte dann in eine Richtung bemängeln, die letztlich der Heffas sehr ähnlich. Für eine Fantasygeschichte dieser Art, die eher auf die Schilderung phantastischer Welten und Figuren abzielt, hätte ich mir viel mehr kleine Details gewünscht, viel mehr magische Handlungen. Da brauch es nicht die großen Feuerdämonen, die ganze Städte einäschern, da wünsche ich mir stattdessen mehr wie die magische Topfreinigung. Das wäre sozusagen etwas mehr Fleisch auf die Rippen dieses gut gebauten Skeletts gewesen. Denn die Figuren sind durchaus nachvollziehbar und wecken Interesse, auch wenn nicht alles erklärt wird (meine Frage: in welcher Gesellschaftsform leben die vielen Magier, Fabelwesen aber scheinbar auch nicht magischen Bewohner zusammen?).
Die Geschichte unterhält und der Plot trägt im Grunde von Anfang bis Ende. Jetzt muss er nur noch richtig ausgeschmückt werden, um wirklich richtig 'beschworen' zu sein (man verzeihe mir das blöde Wortspiel).
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Re: Neujahrsmond

Beitragvon Chili » 13. Jan 2011, 23:45

Mir hat die Geschichte beim ersten Lesen gefallen - beim zweiten schon etwas weniger, da wurden die Mängel spürbarer. Es bleibt zu sehr an der Oberfläche und verschenkt Potential.
Eine Welt, bevölkert von Menschen, Magiern, Hexen, Elfen, Dämonen und Einhörnern (die locker in eine Kleines-Mädchen-Verkleidung reinpassen. Gut, die Vorstellung, wie das Einhorn auch noch das Horn reinzwängt, war amüsant.), aber so wirklich erfährt man doch nichts.
Die Protagonistin wird gescheucht von einer Chefin, die an die Wiehießsienoch aus 'Der Teufel trägt Prada' erinnert.
Ich hätte ihr gewünscht, dass sie sich erfolgreich wehrt. Oder dass sie wenigstens einen Anteil daran hat, die Beschwörung des Dämons zu verhindern. So bleibt sie immer noch Mittel zum Zweck für andere und darf sich morgen (oder wann immer Mafalda bei Z angelangt ist) weiter schikanieren lassen.
Bau das aus - was du an Möglichkeiten und Konfliktpotential reingepackt hast, reicht locker für mehr.
Oder speck es ab.
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Re: Neujahrsmond

Beitragvon Klara » 16. Feb 2011, 19:45

Leider muss ich sagen, dass mir beim Lesen Magier- und Zauberergeschichten einfielen und ich zu vergleichen anfing.....
Und wenn ich zu vergleichen anfange bin ich ziemlich schnell im "Zetern", kein kuscheln möglich.....

Vor dieser Hexe hätte ich nicht einen Tag Angst, die ganze Szenerie ist phantasielos, und dort wo ein klein bisserl durchzuscheinen beginnt, bei den Kindern und deren Outing, machst du nix draus;

Eine Hexe die in nichts komma nichts einen Topf sauber machen kann - und dann braucht sie es, eine Dienerin zu schikanieren, indem sie ihr androht mit dem Zahnbürstl putzen zu müssen?????

Wofür wollen die zwei Streithälse mehr Macht??? vor allem der Mann der eh der 1. Magier ist; Angst zu machen ist ein Mittel, den Mangel an Macht zu kaschieren, finde ich, aber selbst darin sind sie einfallslos.......

Also eines ist dir gelungen, die Sinnlosigkeit von Gewalt die mit Macht verwechselt wird, vorzuführen, denn die kleinen Wesen drehen den "großen Mächtigen" ganz leicht die Nase....
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